sowas e.V. und Jugendliche rollten gegen Rechts in Merseburg am 29.05.

Am 29.05. war Merseburg in Bewegung: Auf dem Skateboard, auf Inlinern, zu Fuß und bewaffnet mit Bannern, Töpfen und lauten Stimmen. Grund dafür war unerwünschter Besuch: Kurz vor den Landtagswahlen wollte die #noAfD mit unter anderem Bernd Höcke, H.-Thomas Tilschneider, Martin Reichardt und Oliver Kirchner und etwa 250 Anhänger*innen die Klia-Platte nutzen, um ihre Hetze in Merseburg zu verbreiten. 

Bunter Gegenprotest auf den Straßen

Viel mehr Platz haben die Menschen eingenommen, die keinen Bock auf Nazis hatten. Auf der Seite des Gegenprotests standen unter dem Motto „Farbe bekennen“ rund 350 Personen. Bis zum Beginn des Kreisverkehrs an der Weißenfelser Straße durften die Protestierenden Krach machen gegen die sogenannte AfD. Über den Kreisverkehr hinaus am Geländer der Kliaplatte haben sie sich trotzdem versammelt. Es wurde gemeinsam gerufen, getrommelt, gepfiffen und die Straße mit Kreide bunt bemalt. Merseburg gab den Inhalten der noAfD damit eine klare Absage und zeigte, dass Gemeinsamkeit und Offenheit wesentlich mehr Spaß machen als Hass und Hetze.

Mehrere Personen in der Menge der Gegendemonstration, eine Person im grünen Oberteil links im Bild spricht in ein Mikrofon.
Mit Seifenblasen, Redebeiträgen und Megafon gegen Rechts

Rollen gegen Rechts in der KöHei

Im Abschnitt vor dem Domstadtkino ließen der sowas e.V. und die Grünen die König-Heinrich-Straße sperren, um einen mobilen Skatepark zu errichten. Auf dem rollten Kinder, Jugendliche und alle die Lust hatten unter dem Motto “Rollen gegen Rechts”. Überall war Farbe zu sehen: Regenbogenfahnen, die an Geländer gebunden waren, bunte Tücher und Wimpelketten flatterten im Wind.

Jedes Wetter ist Demowetter, aber dieser Tag gab ein absolutes Sommerfeeling: Die Jugendlichen steckten all ihren Einsatz ins Skaten. Obwohl es nicht unbedingt ein fröhlicher Anlass war, war die Energie der anwesenden Menschen mitreißend und der Zusammenhalt beflügelnd. Kein Wunder, schließlich waren sogar Menschen aus umliegenden Städten wie Halle, Leipzig, Querfurt und Weißenfels angereist, um uns Merseburger*innen zu unterstützen.

Daneben stehen war nicht genug

Etwa ein Dutzend Aktivist*innen hatte sich unabhängig von der offiziell angemeldeten Gegendemo auf die Kliaplatte mitten unter die noAfD-Anhänger*innen gesetzt, wovon diese gar nicht begeistert waren. Doch die mutigen Aktivist*innen blieben trotz Pöbeleien und Drohungen sitzen und entrollten während der noAfD-Veranstaltung unter lautem Beifall ein Banner auf dem Platz.

Für die Umstehenden blieb kaum Zeit, den Inhalt zu lesen, so schnell war auch schon ein Trupp Polizist*innen da, um die Gruppe von der Kliaplatte zu begleiten oder besser gesagt zu zerren und zu schubsen. Spätestens auf der Fußgängerbrücke über die Klia war für alle Anwesenden zu sehen, wie grob und gewaltsam die Polizei mit den Gegendemonstrant*innen umging. Einer Person wurde, wie auf Handyaufnahmen zu sehen ist, von einem Polizisten in den Rücken getreten.

Viele Menschen stehen und sitzen bei der Gegendemonstration rund um den Kreisverkehr. Ein Polizist im Vordergrund links.
Die Gegendemonstrant*innen rund um den Kreisverkehr
Ein Kind im roten Pullover spring mit dem Cityroller von einem mobilen Skatemodul. Im Hintergrund sind das Domstadtkino und einzelne Personen zu sehen.
Ein Jugendlicher zeigt seine Roller-Tricks

Organisator*innen des Gegenprotests waren der sowas e.V., die Omas gegen Rechts Halle, die KLinke, das Merseburger Bündnis für Vielfalt und Zivilcourage, Fridays for Future Merseburg, die Linke, die Grünen und die SPD des Saalekreises, welche unter dem Motto “Farbe bekennen” ein Stück Merseburg für sich einnahmen. Die Demo endete lange nach der noAfD-Propaganda um 19 Uhr nach mitreißender Live-Musik auf der Kliaplatte. Der Gegenprotest lässt sich als klarer Erfolg verbuchen, da nicht nur Lärm gegen Rechts gemacht, sondern auch noch selbst ausgelassen der Sommertag mit Sport und Musik genutzt werden konnte.

Nach der Demo ist vor der Demo

Wir sind froh, dass die AfD am 6.6. bei der Landtagswahl im Kreis Merseburg weniger Stimmen erhielt als vier Jahre zuvor. Das zeigt, dass die propagandistischen, rassistischen und nationalistischen Inhalte der AfD nicht bei allen gut ankommen. Gleichzeitig gilt es, das Problem nicht zu verharmlosen. Jede Stimme für die AfD ist eine zu viel. Unser Verein und viele andere Engagierte setzen sich weiterhin für Zusammenhalt, Progressivität, Feminismus und gegen Nationalismus in Merseburg ein. Denn unser Protest endet erst, wenn rassistische, misogyne und menschenverachtende Kackscheiße beseitigt sind, in Merseburg und überall sonst auf der Welt.