Merseburg und das fehlende Denkmal für Raúl Garcia Paret und Delfin Guerra

Delfin Guerra und Raúl Garcia Paret kamen am 12. August 1979 bei einer rassistischen Hetzjagd in Merseburg ums Leben. Die Initiative 12. August fordert seit zwei Jahren die juristische Aufarbeitung und einen öffentlichen Gedenkort in Merseburg. Zu diesem Zweck haben sie die damaligen Geschehnisse aufbereitet und stellen die Informationen digital zur Verfügung; bei wiederkehrenden Demonstrationen durch die Stadt Merseburg und einer selbst entwickleten szenischen Lesung machen sie auf die ungeklärten Mordfälle aufmerksam.

Die Gestaltung eines eigenen Denkmals

Vor der Demonstration und dem Gedenken am 12. August 2020 wurde am Tatort unter der Brücke eine Erinnerungswand an Delfin Guerra und Raúl Garcia Paret geschaffen. Um deutlich zu zeigen, dass ein solches Denkmal zu errichten eine öffentliche Aufgabe sein sollte, fand die künstlerische Arbeit damals nicht heimlich statt. So kommt es, dass ein Jahr später drei Künstler:innen vor dem Amtsgericht Merseburg angeklagt und der Sachbeschädigung beschuldigt werden. Die Initiative 12. August schreibt dazu auf ihrem Blog:

„Die Staatsanwaltschaft Halle, die sich sonst vor allem durch die Verharmlosung rechter Gewalt auszeichnet, möchte hier das Gedenken an Delfin und Raúl gezielt kriminalisieren. Dieses Verfahren ist nicht nur ein Einschüchterungsversuch, sondern auch ein politischer Gegenangriff; denn die Staatsanwaltschaft ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass es bis heute keine echten Ermittlungen gegen die mutmaßlichen Mörder:innen gab und steht dafür immer wieder in der Kritik.“

Solidarität und Demo-Aufruf

Wir solidarisieren uns mit den Angeklagten und fordern die Stadt Merseburg dazu auf, mit der Aufarbeitung des rassistischen Mordes zu beginnen statt diejenigen zu verurteilen, die sich mit der Geschichte und dem Auftrag, den sie uns für die Gegenwart gibt, auseinandersetzen. Die Angehörigen der beiden Opfer haben ein Recht darauf, endlich von der Staatsanwaltschaft selbst über die wahren Umstände des Todes ihrer Verwandten informiert zu werden. Die Thematisierung und Benennung von Rassismus darf nicht als das Problem behandelt werden, sondern der Rassismus selbst!

Die Inititiative 12. August ruft zu einer solidarischen Kundgebung am 14. Mai 2021 von 8:30 bis 13:30 Uhr vor dem Amtsgericht in Merseburg, Geusaer Str. 88, auf, um die Angeklagten zu unterstützen.

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